Arbeitsschutz in der Pandemie

Sars-Cov-2-Arbeitsschutzverordnung

Arbeitsschutz nimmt auch in Coronazeiten eine zentrale Rolle ein. Die Gesundheit von Beschäftigten soll mit neuen, bundesweit verpflichtenden Regeln wirkungsvoll geschützt werden. 

Seit dem 27.01.2021 gilt die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung für alle Unternehmen in Deutschland – befristet bis zum 15.03.2021.

Unternehmen unterliegen ab sofort weiter verschärften Regeln, um das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bei der Arbeit zu minimieren und Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Unternehmen müssen nun vermehrt Homeoffice anbieten.

Für Beschäftigte, die weiter im Betrieb arbeiten müssen, gibt es konkretisierte Regelungen und Vorgaben. Verstöße können laut Arbeitsschutzgesetz mit Bußgeldern bis zu einer Höhe von 30.000 Euro geahndet werden.

Veröffentlicht wurde die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) am 22. Januar 2021 im Bundesanzeiger.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat damit von seinem Recht nach § 18 Abs. 3 ArbSchG Gebrauch gemacht, wonach es in epidemischen Lagen von nationaler Tragweite nach § 5 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz ohne Zustimmung des Bundesrates spezielle Rechtsverordnungen zum Arbeitsschutz für einen befristeten Zeitraum erlassen darf. Der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard und die konkretisierende SARS-CoV-2-Arbeitschutzregel gelten weiterhin.

 

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung: 4 verpflichtende Regeln für Unternehmen

  1. Mitarbeitende mit Büroarbeiten oder vergleichbaren Tätigkeiten müssen von Zuhause arbeiten!
    Sofern es umsetzbar ist und keine zwingenden betrieblichen Gründe vorliegen, hat ein Arbeitgeber das Arbeiten in den eigenen privaten Wänden anzubieten. Ist Präsenz unvermeidbar, müssen weiter die Bestimmungen des SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard und der konkretisierenden SARS-CoV-2-Arbeitschutzregel eingehalten werden.

  2. Betriebsbedingte Zusammenkünfte reduzieren!
    Es sollen nach dem STOP-Prinzip (Substitution, technische und organisatorische Lösungen) zunächst digitale Lösungen für betriebliche Zusammenkünfte, etwa für Besprechungen oder in einem Büro, angewendet werden. Ist das nicht möglich, werden zusätzliche Schutzmaßnahmen notwendig: Es bedarf bei einer gleichzeitigen Nutzung einer Mindestfläche von zehn Quadratmetern für jede Person, die sich zusätzlich im Raum befindet. Ist auch dies nicht möglich, hat der Arbeitgebende mit anderen geeigneten Maßnahmen den Schutz der Beschäftigten sicherzustellen, insbesondere durch Lüftungsmaßnahmen und geeignete Abtrennungen zwischen den anwesenden Personen. Die Gefährdungsbeurteilung muss diesbezüglich aktualisiert oder angepasst werden.

  3. Feste Arbeitsgruppen bilden
    In Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten sind die Mitarbeitenden grundsätzlich in möglichst kleine und feste Arbeitsgruppen einzuteilen. So können betriebsbedingte Kontakte weiter verringert und bestenfalls auch eine Kontaktnachverfolgung in Betrieben ermöglicht werden.

  4. Verpflichtend Masken bereitstellen
    Können die obigen Rahmenbedingungen zu Zusammenkünften sowie ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden und  ist zudem bei ausgeführten Tätigkeiten mit einer Gefährdung durch erhöhten Aerosolausstoß zu rechnen, dann hat der Arbeitgebende medizinische Gesichtsmasken (Mund-Nasen-Schutz), FFP2-Masken oder vergleichbare Atemschutzmasken zur Verfügung zu stellen. Die etwas wirksamere FFP2-Maske gehört zur persönlichen Schutzausrüstung. Daher müssen Mitarbeitende hierzu unterwiesen werden, eine Vorsorgeuntersuchung erhalten, und somit bestimmte Regeln zum Tragen, zur Hygiene und Aufbewahrung kennen. Die FFP2-Maske ist allerdings auch in der Gefährdungsbeurteilung COVID-19 nach dem STOP-Prinzip der letzte Schritt, wenn alle anderen zuvor geprüften Maßnahmen – Substitution, technische und organisatorische Lösungen - nicht umgesetzt werden können.


Sicherer und gesunder Arbeitsplatz in der Pandemie

Seit dem 16. April 2020 gilt der bundesweite Arbeitsschutzstandard COVID-19. Die neue Arbeitsschutzregel (SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, Fassung vom 20.08.2020) konkretisiert die  Anforderungen an den Arbeitsschutz auf Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes und der Arbeitsschutzverordnungen während der Pandemie.

Mehr Sicherheit und Orientierung für Beschäftigte, mehr Konkretes bietet die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel im Vergleich zum Arbeitsschutzstandard („C-ASS“).

Was sind nun die wichtigsten Herausforderungen für viele Branchen?


Die Anforderungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung

Ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern sollte stets eingehalten werden. Dazu kann behelfsmäßig auch das Mobiliar bzw. dessen  Anordnung geändert werden und zudem weitere Flächen und Räume für die Ausübung von Tätigkeiten genutzt werden. Jedoch sollten hierbei weiterhin die Bewegungsflächen gem. Nr. 3.1 des Anhangs der ArbStättV und der ASR A1.2 beachtet werden.

Ist dies nicht einfach möglich, helfen Abtrennungen, die aus transparentem Material (bei erforderlichem Sichtkontakt) bestehen und nicht zusätzlich durch Instabilität, spitze Ecken oder scharfe Kanten gefährden.

Außerdem sollte die Abtrennung ausreichend groß sein: bei Sitzarbeitsplätzen mindestens eineinhalb Meter, bei Steharbeitsplätzen oder Sitzarbeitsplätzen mit stehenden Kunden mindestens zwei Meter über dem Boden. Achten Sie auf die Reinigung: Jeden Arbeitstag von beiden Seiten!

 

Anforderungen an Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume

In Sanitär- und Pausenräumen sowie Kantinen in Betrieben sollten zwecks Handhygiene Waschgelegenheiten und Aushänge zu den Händewaschregeln leicht erreichbar und einsehbar sein. Dies gilt auch für mobile und abgelegene Arbeitsplätze.

In diesen Räumen sollte fließendes Wasser, hautschonende Flüssigseife, ausschließlich Einmalhandtücher aus Papier oder Textil sowie ggf. Hautschutz-/Hautpflegemittel (auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung) vorhanden sein. Die Verwendung von Warmlufttrocknern soll vermieden werden.

Wichtig ist auch genügend Platz für die Menschen in den Räumen, um die Abstandsregel einhalten zu können. Nutzen Sie Abstandsmarkierungen auf Fußböden, eine Begrenzung der Personenzahl oder Pläne zur zeitlich versetzten Nutzung. In Pausenräumen ist das Ziel, die Belegungsdichte zu verringern. Anpassungen betreffen zum Beispiel die Bestuhlung, Bodenmarkierungen und die gestaffelte Organisation von Arbeits- und Pausenzeiten. Für das Einrichten / Betreiben von Sanitär- und Pausenräumen gelten die Anforderungen gemäß 4.1 und 4.2 des Anhangs der ArbStättV sowie ASR A4.1 und ASR 4.2.

In Kantinen sollten Sie Tische und Stühle ggf. anders anordnen oder reduzieren und auch hier beispielsweise Bodenmarkierungen, Absperrbänder an der Essensausgabe, Geschirrrückgabe und an der Kasse verwenden. Begrenzen Sie die Personenzahl und erweitern Sie die Essenszeiten. Besteck und Geschirr sollte das Kantinenpersonal übergeben.

 

Anforderungen an die Lüftung in Räumlichkeiten

Allgemein gilt, dass in Arbeitsstätten gemäß Anhang Nummer 3.6 ArbStättV bzw. Arbeitsstättenregel A3.6 ausreichend frische Atemluft vorhanden sein muss, um eine Atemwegserkrankung bzw. eine Infektion durch virenbelastete Aerosole zu vermeiden. Dazu trägt verstärktes Lüften bei. Die ASR A3.6 empfiehlt eine Lüftungsfrequenz von 1 x / Stunde in Büroräumen und 3 x / Stunde in Besprechungsräumen. An dieser Stelle gilt: Viel hilft viel. Eine Stoßlüftung“ sollte drei bis zehn Minuten dauern.

Die übliche Lüftung über Fenster sollte bei Tätigkeitsbeginn und danach regelmäßig erfolgen. Lüften Sie Besprechungsräume bereits vor der Benutzung, vor allem wenn sich zuvor andere Personen darin aufgehalten haben. Die Qualität der Lüftung kann z.B. durch eine CO2-Messung überprüft werden. Eine CO2-Konzentration von 1000 ppm ist (laut ASR A3.6) noch akzeptabel, sollte jedoch soweit möglich unterschritten werden.

Raumlufttechnische Anlagen (RLT) sollten mit einem geeigneten Filter verbaut sein oder eine hohen Außenluftanteil zuführen. Während der Betriebs- oder Arbeitszeiten dürfen die Anlagen nicht abgeschaltet werden. So ist das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 über raumlufttechnische Anlagen als gering einzustufen. Das Betreiben von Geräten im Umluftbetrieb wie z. B. Ventilatoren oder Heizlüftern, ist aufgrund der Verteilung von Aerosolen nur in Räumen mit Einzelbelegung zulässig.

 

Anforderungen ans Homeoffice / Mobiles Arbeiten

Homeoffice ist sinnvoll, um die Zahl der gleichzeitig im Betrieb anwesenden Beschäftigten zu reduzieren und die Einhaltung von Abstandsregeln zu unterstützen. Die Regeln gemäß § 2 Absatz 1 Verordnung über Arbeitsstätten und § 2 Absatz 7 ArbStättV im Privatbereich des Beschäftigten gelten für Homeoffice nicht. Fürs Homeoffice als Form der mobilen Arbeit (Tätigkeit an jedem beliebigem Ort) gelten dennoch das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitszeitgesetz.

Arbeitgeber sind daher angehalten, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören u. a. Regelungen zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeiten. Beschäftigte sind zudem darin zu unterweisen, die Arbeitszeiten einzuhalten, Arbeitspausen einzulegen und dies zu dokumentieren. Darüber hinaus sind die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und die Nutzung der Arbeitsmittel wichtig für die Unterweisung.
Arbeitgeber müssen durch geeignete Arbeitsorganisation sicherstellen, dass Beschäftigte ihre Arbeitsaufgaben erfüllen können und ausreichend Zugang zu betrieblicher Kommunikation haben.

 

Anforderungen an Dienstreisen und Besprechungen

Begrenzen Sie Dienstreisen oder persönliche Besprechungen auf das für die Erfüllung der Arbeitsaufgabe notwendige Maß. Wertvolle Alternativen sind Telefon- oder Videokonferenzen. Beschäftigte sollten vor einer Abreise die epidemiologische Lage vor Ort prüfen. Nutzen Sie gemeinsam ein Fahrzeug? Dann beachten Sie Abstandsregeln, tragen Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung und installieren Sie ggf. Abtrennungen. Nehmen Sie Wasser und Seife oder Händedesinfektionsmittel für die Handhygiene mit. Besprechungsräume sind entsprechend der Abstandsregeln auszustatten und regelmäßig zu lüften. 

 

Anforderungen an Arbeitsmittel und Werkzeuge

Um das Risiko einer Schmierinfektion zu verringern, sollten Arbeitsmittel nach Möglichkeit nur von einer Person verwendet und somit ggf. zusätzlich bereitgestellt werden. Wenn dies nicht möglich sein sollte, sind diese vor der Weitergabe handelsüblich zu reinigen.
Gemeinsam genutzte Oberflächen müssen nach Kontakt gereinigt werden, beispielsweise gehören dazu Tischplatten, IT-Geräte, Telefonhörer, Lenkräder, Schalthebel sowie Werkzeuge. Eine vorsorgliche Flächendesinfektion wird nicht als notwendig erachtet.

 

Anforderungen an die Arbeitszeit- und Pausengestaltung

Vermeiden Sie wechselnde Personenkontakte. Das geht, indem möglichst dieselben Personen zu gemeinsamen Schichten bzw. Arbeitsgruppen erscheinen und die Personenanzahl in einer Schicht bzw. Arbeitsgruppe möglichst reduziert werden.

Wichtig ist und bleibt bei allen Schutzmaßnahmen: Vermeiden Sie eine zusätzliche Gefährdung wie beispielsweise zusätzliche Nachtarbeit, eine Verkürzung der Ruhezeiten oder verlängerte Schichten. Ist eine Arbeitserschwernis unvermeidbar, berücksichtigen Sie das bei der Gefährdungsbeurteilung.

 

Anforderungen an die arbeitsmedizinische Prävention

Die neue Arbeitsschutzregel erklärt auch die arbeitsmedizinische Prävention näher. Die Anforderungen ArbmedVV inkl. der zugehörigen AMR gelten auch weiterhin. Die Regel schafft zum einen mehr Handlungssicherheit für den Umgang mit besonders schutzbedürftigen Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und mit Rückkehrern an den Arbeitsplatz nach einer Corona-Infektion. Die Betriebsärztin bzw. der Betriebsarzt unterstützt Arbeitgeber bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen im Kontext der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit. Zudem hilft der Arzt bzw. die Ärztin bei der Aufstellung entsprechender betrieblicher Handlungsanweisungen und verschafft den Mitarbeitenden Zugang zu Tests auf SARS-CoV-2.

 

Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle

Personen mit Symptomen oder dem Verdacht einer Atemwegserkrankung dürfen nicht auf der Arbeit erscheinen. Arbeitgeber müssen sie auffordern, die Arbeitsstätte unverzüglich zu verlassen. Betroffene sollten sich zunächst telefonisch ärztlichen Rat oder den des Gesundheitsamtes holen und sich auch in ärztliche Behandlung begeben. Die häufigsten Symptome von COVID-19 sind Husten, Fieber, Schnupfen sowie Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns.


Berücksichtigung psychischer Belastungen

Der Pandemie geschuldet sind tiefgreifende Veränderungen der gesamten Arbeitssituation durch Neu-/Umgestaltungen von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen. Dadurch nehmen möglicherweise auch psychische Belastungen zu. Die sind ebenfalls in einer Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Beschäftigte verhalten sich womöglich nicht sicherheitsgerecht, sind einer steigenden Unfallgefahr ausgesetzt und weisen damit ein steigendes Gesundheitsrisiko auf.

Führungskräfte sollten die Auswirkungen der Arbeitsprozesse auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beobachten.

Welche Belastungsfaktoren im Einzelnen bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind, ist mit Blick auf die konkreten Tätigkeitsanforderungen und Bedingungen der zu beurteilenden Arbeit zu entscheiden. Orientierung hierzu gibt die GDA-Leitlinie „Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz“, in der die wesentlichen Belastungsfaktoren aufgeführt werden.


Neue Anforderungen an den Arbeitsschutz und notwendige Maßnahmen in Zeiten der Corona-Krise.

Im April 2020 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit Sozialpartnern, Arbeitsschutzbehörden der Länder und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bundeseinheitliche, verlässliche und branchenübergreifende Mindeststandards entwickelt, die für alle Beschäftigte und Unternehmen verbindlich gelten.

Die Arbeitsschutzregel (SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, Fassung vom 20.08.2020) konkretisiert den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard und damit die  Anforderungen an den Arbeitsschutz auf Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes und der Arbeitsschutzverordnungen während der Pandemie.

 

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel: Schutzmaßnahmen für Beschäftigte in Unternehmen

Arbeitgeber haben grundlegende Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen, die die Anzahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen sowie die Konzentration an luftgetragenen Viren in der Arbeitsumgebung soweit wie möglich verringert (bspw. durch Abtrennungen zwischen den Arbeitsplätzen, Einhaltung der Abstandsregel, verstärktes Lüften und Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung). Auch sollten Betriebe die in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel vorgeschlagenen technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen umsetzen. Dann können sie davon ausgehen, dass sie rechtssicher handeln.

Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen. Andere Lösungen können bei abweichenden Rechtsvorschriften der Länder zum Schutz der Beschäftigten vorrangig in Betracht kommen.

Mit der neuen Arbeitsschutzregel erhalten die Aufsichtsbehörden der Länder darüber hinaus eine einheitliche Grundlage, um die Schutzmaßnahmen in den Betrieben zu beurteilen.

 

Gefährdungsbeurteilung während der Corona-Pandemie

Der Arbeitgeber hat in Pandemiezeiten die bestehende Gefährdungsbeurteilung und  umgesetzten Arbeitsschutzmaßnahmen hinsichtlich der neuen Konkretisierungen zu überprüfen und ggf. zu aktualisieren. Zudem ist zu prüfen, ob und inwieweit für besonders schutzbedürftige Personen zusätzliche individuelle Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind nicht nur Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes festzulegen, sondern insbesondere auch folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Gestaltung der Arbeitsaufgaben,
  • Gestaltung der Arbeitszeit,
  • Integration der im Homeoffice befindlichen Beschäftigten in betriebliche Abläufe sowie
  • Psychische Belastungsfaktoren

Gleichwertige oder strengere Regeln, zum Beispiel aus der Biostoffverordnung oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, müssen jedoch weiterhin beachtet werden. Weiterhin gelten die einschlägigen Regelungen zur Gefährdungsbeurteilung gemäß der Biostoffverordnung und den Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, sofern Tätigkeiten mit besonderem Infektionsrisiko (z. B. im Labor oder Gesundheitswesen) durchgeführt werden.

 

Die 10 Regeln des Arbeitsschutzstandard COVID-19

  1. Arbeitsschutz gilt – ergänzt um Infektionsschutz!
  2. Mit Sozialpartnern, Expertinnen/Experten, Vorsorge!
  3. Mindestens Abstand von 1,5 Metern einhalten!
  4. Wenig direkter Kontakt im Betrieb, Abläufe entzerren!
  5. Niemals krank zur Arbeit!
  6. Mehr Schutz bei unvermeidlichem direktem Kontakt!
  7. Hygiene immer und überall ermöglichen!
  8. Risikogruppen besonders schützen!
  9. Betriebliche Routinen für Infektionsfälle erarbeiten!
  10. Maßnahmen aktiv kommunizieren!

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), April 2020


SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard / SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Das müssen Betriebe bei den Vorschriften der Bundesregierung beachten

Damit die Mitarbeitenden im Betrieb geschützt sind, gelten ab sofort bundesweit einheitliche und verbindliche Standards. Jedes Unternehmen in Deutschland muss die Regeln des Hygienekonzepts umsetzen:

  • Arbeitgeber müssen sich fachkundig unterstützen lassen (z. B. von Experten für Arbeitssicherheit, Betriebsärzten oder Sicherheitsbeauftragten). In Betrieben mit einem Arbeitsschutzausschuss koordiniert und kontrolliert dieser die Maßnahmen. 
  • Menschen müssen einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern zu anderen auch bei der Arbeit einhalten – sowohl in Gebäuden, im Freien als auch in Fahrzeugen. Dafür müssen Absperrungen, Markierungen oder Zugangsregelungen umgesetzt werden. Ist dies nicht möglich, sind alternativ Trennwände einzurichten. Sollte auch das nicht umsetzbar sein, sind Arbeitgeber angehalten, Nase-Mund-Bedeckungen für Beschäftigte, Kunden und Dienstleister zur Verfügung zu stellen.  Des Weiteren müssen ausreichend Seife, Handtuchspender und Desinfektionsspender zur Verfügung stehen.
  • Arbeitsabläufe sind so zu organisieren, dass Beschäftigte möglichst wenig direkten Kontakt zueinander haben. Das gilt für Pausen, Schichtwechsel oder der Anwesenheit im Büro. Grundsätzlich gilt: Auf keinen Fall krank auf der Arbeit erscheinen. Wer Symptome zeigt wie zum Beispiel leichtes Fieber, sollte in jedem Fall den Arbeitsplatz verlassen oder zuhause bleiben, bis ärztlich die Ursache geklärt wurde.
  • In Kantinen dürfen keine Warteschlangen bei der Essenausgabe entstehen.
  • Um die Gefahr der Virenübertragung durch Raumlufttechnische Anlagen (RLT) zu verringern, können Filter (ab Klasse 9) verwendet werden. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent muss sichergestellt werden, Wartungspersonal darf nur mit Schutzkleidung (Atemmaske mind. FFP-2) arbeiten.
  • Bei Außen- und Lieferdiensten sollen die Personen, die ein Fahrzeug benutzen, begrenzt werden. Außerdem müssen die Fahrzeuge mit Hygiene-Artikeln bestückt werden.
  • Bei Sammelunterkünften (u. a. Saisonarbeiter) sollen Teams gebildet werden, die auch zusammenarbeiten. Grundsätzlich sind Schlafräume aber einzeln zu belegen. Die Räume müssen regelmäßig gereinigt und gelüftet werden, Geschirrspüler (Desinfektion des Geschirrs erfordert Temperaturen über 60 Grad Celsius) und Waschmaschinen sind zu organisieren.
  • Weiterhin sollen Unternehmen ihren Beschäftigten Arbeiten im Homeoffice ermöglichen, insbesondere bei Großraumbüros. Mischformen, die Homeoffice und Präsenzzeiten kombinieren, sollen ebenfalls eingeplant werden.
  • Dienstreisen und Präsenzveranstaltungen wie Meetings sind auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.
  • Handwerkzeuge sollen personenbezogen genutzt werden
  • Wo Warteschlangen entstehen können, müssen Klebebänder den Schutzabstand markieren.
  • Besonders strikt muss auf die personenbezogene Benutzung von Schutzausrüstung und Arbeitsbekleidung geachtet werden.
  • Der Zutritt zu Unternehmen soll für betriebsfremde Personen beschränkt sein. Sie müssen über Corona-Maßnahmen informiert sein.
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